RALF MACKEL
 GALERIE
 LESEPROBE
 BESTELLUNG
 KONTAKT
 LINKS
 IMPRESSUM

  

Leseprobe

... im allradgetrieben 300-PS-S3 nahmen Ralf und ich den "kleinen Kurs" in Hockenheim unter die Räder. Ich am Steuer, Ralf daneben, unablässig damit beschäftigt, die ideale "Fenstereinstellung" für die Seitenscheibe zu finden.

Rollten wir anfangs nur langsam um die Strecke, steigerte ich von Runde zu Runde das Tempo. Ralf musste sich die Kurvenreihenfolge nicht mehr einprägen, da er den Kurs grundsätzlich schon kannte - allerdings selbst gefahren war er hier noch nicht wirklich oft. In Deutschland waren bisher hauptsächlich der Nürburgring oder Oschersleben die Stätten seines Wirkens gewesen.

Für Ralf ging es vor allem darum die Bremszonen auszuloten. Er musste nicht nur die richtigen Bremspunkte für den S3 heraushören, sondern auch für den Super Vau. Diese liegen nämlich weit auseinander. Zwar wiegt der S3 fast viermal soviel wie der Formel-Renner aus den Sechzigern, dafür hat er aber auch dreimal soviel Leistung. Dazu kommt die speziell abgestimmte, gelochte und innenbelüftete 36-cm-Vier-Kolben-Festsattel-Bremsanlage von Oettinger, die den Allrad-Audi aus 100 km/h in nur gut 35 Metern wieder zum Stehen bringen. Die Trommelbremsen in Jochen Maas´ Ex-Einsatzgefährt haben zwar eine gute Tonne weniger Masse zu stoppen, ihr antikes Konzept und ihre unzeitgemäße Konstruktion jedoch, eliminieren den Gewichtsvorteil vollends. Mehr noch: der Super Vau braucht sogar deutlich mehr Bremsweg.

Dafür sind die Kurvengeschwindigkeiten für ein so altes Auto und vor allem für so alte Reifen wirklich beachtlich. Wenig Gewicht baut eben auch weniger Fliehkräfte auf.

Ralf hatte also beide Ohren voll zu tun, sich eine Basis für seine ersten Runden zu erarbeiten. Ich steigerte das Tempo im Laufe von etwa 15 bis 20 Runden langsam in Richtung Rennspeed, was Ralf irgendwann endgültig den Rest gab. Er bat mich an die Box zu fahren und wollte sich dann sofort selbst ans Steuer schwingen. Zwischenzeitlich hatte sich aber auch die Presse eingefunden und wir mussten ersteinmal ein paar Hände schütteln. Und wir mussten uns außerdem darum kümmern wo der werte Roland Asch blieb...

Nachdem wir diesen erreicht hatten, sagte er uns aufgrund von irgendwelchen anderen Terminen ab und unser Darstellungs-Konzept der Presse gegenüber brach ohne namhaften Rennfahrer leider zusammen. Also schwang ich mich ans Telefon und habe meinen Freund Danny Pfeil in Frankfurt angerufen, ehemaliger Formel-3- und Porsche-Cup-Pilot, heute Fahrsicherheitsinstruktor mit eigenem Unternehmen. Dieser willigt ein - allerdings erst nachdem ich ihn davon überzeugt hatte, dass ich nicht im Begriff war ihn zu veralbern. Hin und wieder stolpert man dann eben doch über die Unglaublichkeit von Ralfs Tun.

Vorerst machte sich die Presse schon mal über den Super Vau her und es wurden diverse Kameraeinstellungen für den späteren Schnitt der Beiträge gedreht.

Nach nur einer guten halben Stunde kam Danny Pfeils knallgelber Porsche GT3 knisternd und knackend von der zurückliegenden "Frankfurt-Hockenheim-in-32-Miunten-Vollgasorgie" mit glühenden Bremsscheiben im Hockenheimer Fahrerlager zum stehen. "Wenn Du mich hier verarscht, dann..." Noch während er sich mit diesen Worten auf den Lippen aus dem Porsche-Käfig schälte, ging sein Blick durch die Runde. Als er die Kameras und vielen Leute bemerkte, verstummte er und es ging ihm wohl auf, dass diese unglaubliche Nummer tatsächlich ernst gemeint war...

Für die grundsätzliche Idee war er sofort Feuer und Flamme und übernahm sogleich das Training, auch wenn ihm Zweifel kamen, wenn er in Richtung Super Vau schielte. Ralf hatte mittlerweile auch genug davon, nur den Beifahrer zu mimen. Nach einer weiteren guten Stunde mit Ralf am Steuer und Danny daneben stand die Boxengasse voll mit Leuten, die den Mund ob der dargebotenen Leistung jetzt schon nicht mehr zubekamen. Bevor Ralf jedoch in den Super Vau stieg, wollte ich selbst gerne eine Runde mit ihm drehen, um mir ein Bild darüber zu machen wie es mit ihm hinterm Steuer so zuging. Gesagt, getan.

Ich war gebannt von dem, was ich im Begriff war zu erleben.
Ralf fuhr die Boxengasse runter - und das nicht gerade langsam. Am Ende der Pitlane zeigte der Tacho bereits knappe 100 Sachen an und wir schossen Richtung Nordkurve. Ralf ging vom Gas und warf den S3 mit einer plötzlichen aber erstaunlich präzisen Lenkbewegung in die erste Rechts. 150 Meter weiter die zweite Rechts, Ameisenkurve. Scheissding, sehr eng. Ralf war zwar nicht mit Vollgas darauf zugehechtet, aber zügig. Anbremsen, einlenken, durch. Ich war baff. Mit dem Pedal auf dem Bodenblech schoss Ralf über die kurze Gegengerade, bremste für die nächste Links/Rechts sehr früh, ließ den S3 in etwas eckigen Bewegungen um die Pylonen tanzen, die zu einer der verschiedenen möglichen Varianten dieses Streckenteils zusammengestellt waren und hielt in einem weiten, fast zu weiten Rechtsbogen auf die Einfahrt ins Motodrom zu. Als das Auto links die Curbs berührte, war das Ralfs Signal: beherzt schmiss er den S3 in die etwa 150 Meter lange Zufahrt zur legendären Sachskurve. Mit nur einer "Ecke" in der Lenkbewegung meisterte er auch diesen langezogenen, leicht nach innen hängenden 180-Grad-U-Turn. Nocheinmal kurz voll aufs Gas, vom Gas runter und dann die Doppelrechts in die Box. Fertig. Wow! Atmen!! Das hatte ich die ganz Runde über fast vergessen. Mann, war ich baff. Wir rollten die Zufahrt zur Box langsam runter ich möchte nicht wissen, wie ich ausgesehen habe, als wir dort vor allen Leuten zu stehen kamen. Wahrscheinlich - wie sagt man so passend - habe ich "geguckt wie ein Auto".
   

ZUR BESTELLUNG